Dienstag, 5. Juni 2012

Verregnete Sonntagskekse


Was ist schlimmer als morgens mit einer vollen Blase vor einer geschlossenen Tür zu stehen? Durch dieselbe als Erste zu eilen und eine volle Ladung Regen abzubekommen, sobald man auch nur die Nase aus dem Scheunentor schiebt. Es grenzt wirklich an Tierquälerei dann noch gegen seinen Willen in den ekligen nassen Garten geführt zu werden um das Notwendige zu verrichten. Meine Leidensgenossen Luca und Sophie schauen mich verdrießlich an und verdrücken sich ihrerseits in die Büsche.
Nur einer hat mal wieder überhaupt keine Probleme mit der morgendlichen kalten Dusche, Mamas Sonnenscheinchen Leo rennt übermütig durch die Soße und versucht auch noch uns mit seinen Zoomis anzustecken. Was ihr wisst nicht was Zoomis sind? Also Zoomis sind die tollen Rennanfälle die doggentypisch aus heiterem Himmel erfolgen, und in denen wir alles über den Haufen rennen ohne Rücksicht auf Verluste. Also zurück zum Thema, dieser gelbe Dussel meint doch tatsächlich ich würde mich herablassen und meine doggentypische Abneigung zu Regen überwinden, nur um mit ihm durch den Garten zu preschen. Luca hat mir versichert jede anständige Dogge die etwas auf sich hält geht nur unter Duress in den Regen, und lässt jeden wissen das Regen mit der Würde einer Deutschen Dogge einfach nicht zu vereinbaren ist. Also übe ich mich brav im Nase rümpfen und strafe Leo mit einem verachtenden Blick…und da, was ist das denn? Nein! Meine Beine zucken und verselbstständigen sich und bevor ich sie stoppen kann rennen sie volle Kanne Leo hinterher. Yipeee! Ich kann Rasen surfen….kurze Vollbremsung, einmal im Sprung gedreht und dann wieder lossssss.

Als die Zoomis wieder abgeklungen sind werden wir eingesammelt zum Frühstücken. Frühstück ist wirklich etwas Feines, und das Beste daran ist, es passiert jeden Morgen. Ein Vorwurfsvoller Blick trifft mich beim trocken rubbeln in der Scheune. Luca bemüht sich schon seit Jahren einen anständigen Doggenrüden aus dem gelben Clown zu machen und es verdrießt ihn sehr so wenig Fortschritt gemacht zu haben. Geehrte Geschworene, was kann ich sagen? Ich bin eben noch eine Teenager Dogge und leicht beeinflussbar? Luca straft mich mal wieder mit hochnäsiger Nichtachtung während mir Leo vergnüglich zu blinzelt. Ich glaube der blonde Dussel ist gar nicht so dusselig wie er immer tut, einer seiner absoluten Lieblingsbeschäftigungen ist es unseren großen ollen Schwarzen auf die Palme zu bringen.
Jetzt zum wichtigen Teil Frühstück. Also wie ich schon sagte, Frühstück ist ja die wichtigste Mahlzeit überhaupt, mindestens genauso wichtig wie die Mit-morgen-Leckerchen, die Auf-dem-Spaziergang-Leckerchen, die mir-ist-langweilig-Nachmittagsbanane, und natürlich das wirklich-ich-bin-am-verhungern Abendessen, gefolgt von Wie-wars-das?-Wo-ist-mein-Nachtisch-Schweineohr, und dem ich-kann-unmöglich-schlafen-gehen-Gute-Nacht-Leckerchen. Beim Frühstück bekommen wir jeder zuerst mal einen dicken Ochsenbrustknochen, unm demnn ischmalerscht Ruh, demsch misch vollm Schnauzm kanschmansch so schlesch schwetze…

Aber damit ist es ja nicht genug, habe ich schon erwähnt das Frühstück wirklich die wichtigste Mahlzeit ist? Wir bestehen auf doggentypische gesunde Ernährung und da ist es unabkömmlich das uns unsere Mami noch jedem ein dickes Leberwurstbrot schmiert. Luca achtet genau darauf dass die Leberwurstschicht jedes Brots die 0,5 cm nicht unterschreitet. Sollten wir ungeduldig werden, oder gar ein Brot mit einer dünneren Leberwurstschicht als die von seiner Qualitätskontrolle standardisiert, protokolliert und kontrolliert, auch nur denken zu akzeptieren, wird er ungehalten. Also Klappe halten, sitzen, warten bis Luca die Qualitätskontrolle gemacht hat, ein guter Indikator das wir bald unser Brot bekommen sind dann die Sabberfäden von Luca die mit einem lauten Klatsch auf den Fliesen aufschlagen.

Sonntags ist meistens unser Doggentag, das heißt Mami muss nicht arbeiten und oft sind wir lange unterwegs und machen irgendwo die Gegend unsicher. Aber heute nach dem Frühstück haben wir erst mal ein Nickerchen auf der Couch gemacht, denn Luca hat Mami davon überzeugt das wir in den heutigen sintflutartigen Regenfällen mit absoluter Sicherheit in der nächsten Pfütze einen grausamen Ertrinkungstod erleiden werden, und das nasse Pfoten sich mit seiner heutigen seelischen Verfassung, zu seinem größten Bedauern, einfach nicht vereinbaren lassen.
Ein paar Stunden später…Luca ist doof, Sophie ist doof, Leo ist doof, die Couch ist doof, der Teppich auch, der Kong ist doof, das Ballspieli ist doof, mein Kuschelhund ist doof, der Regen ist doof, die Katzen sind doof, Papi ist doof, die Mami ist doof…..menno mir ist soooooooo langweilig…..seufz….
Ich rapple mich auf um Mami mein Leid zu klagen, vielleicht hat sie ja Sympathie mit einer völlig unterforderten Teenager Dogge und ich kann sie dazu überreden heute meinen Bootsführerschein zu machen. Aber als ich in der Küche eintreffe steckt Mamis Nase im Kühlschrank. Sehr interessant! Vielleicht ist es ja Zeit für meine mir-ist-langweilig-Nachmittagsbanane. Und JA, sie holt die Bananen aus dem Fach, ich setze mich schon mal in Stellung im perfekten Vorsitz und mache den immer erwünschten Augenkontakt und, WAAAS? Sie ist einfach an mir vorbei gelaufen und hat die Bananen auf der Arbeitsplatte platziert. Das geht so gar nicht! Man kann nicht eine arme verlassene Notdogge auf Bananen konditionieren und gemeinerweise verlangen das sie sich dafür mit irgendwelchen hirnlosen Übungen quält um einen dieser wirklich göttlichen Bananenstücke zu verdienen, nein, nachdem sich dieses besagte arme verlassene und tieftraurige Notdoggenkind sich auch noch aus akuter Hungersnot selbst anbietet, wird diese arme bedauernswerte sabberende Kreatur einfach ignoriert. Na, warte bis du mal wieder Barfuß läufst Mami, deine Zehen werden büßen, jawohl.

Auf das äußerste beleidigt ziehe ich mich unter meinem Küchentisch zurück und beobachte das Geschehen. Mami trägt allerlei Leckereien zusammen, natürlich nur um mich zu quälen. Zu den Bananen gesellen sich Karotten, Äpfel, Schweineschmalz und auch nein, nicht das auch noch, Leberwurst…seufz.
Sie raspelt, knetet und rührt, hmmm das riecht immer besser. Ich glaube ich muss nun doch mal inspizieren was die da so macht. Vorsichtig schleich ich mich von hinten an. Normalerweise wenn Mami kocht werden wir aus der Küche verbannt, weil wir immer solche Schlunzspuren auf dem frisch geschnittenen Gemüse hinterlassen. Huch, ich schwöre die hat Augen hinten im Kopf, jetzt hat sie mich entdeckt. Ich lasse vorsichtshalber mal die Ohren hängen und gebe ihr meinen ich-wäre-ja-nie-hierein-gekommen-wenn-nicht-schon-fast-verhungert Blick und gehe ein paar Schritte zurück. Was? Hat sie mich wirklich ran gewinkt? Nicht ausversehen ein da-ist-eine-fliege-wedeln, sondern wirklich ein komm-her-winken? Egal, ich ergreife die Chance und presche vor um diesen tollen Geruch tiefer in die Nase zu bekommen. Oh, mein Gott sie hält mir die Schüssel hin und ich darf mal dran lecken. Ist zwar eine komisch braune Pampe da drin, aber egal sie schmeckt einfach himmlisch.
Mami bewegt unentwegt ihre Lippen, aber meine Nase ist vertieft in der Schüssel und es ist es mir total egal was sie da brabbelt.

Mami macht schon seltsame Dinge, aus dem tollen klebrigen braunen Zeug formt sie kleine Bällchen und legt sie auf so ein Blech. Hmm, warum bloß? Ich hätte das Zeug auch so direkt aus der Schüssel verputzt.
Ich habe wohl zu laut geschmatzt, Menno jetzt kommt Luca und fordert eine Qualitätskontrolle an und ich muss das Feld räumen.

Dieser olle Brummbär ist soooo pingelig und immer auf Etikette bedacht. Er hat natürlich sofort geblickt das Mami Hundekekse macht und hat mir das vorabteigessen strengstens untersagt. Um sicher zu machen dass ich nicht wieder gegen seine Hausordnung verstoße hat er Stellung neben dem Ofen bezogen und mich wieder unter den Küchentisch delegiert. Menno, nichts darf man hier.

Nach endlosen kriechenden Minuten die ich damit verbracht habe leise vor mich hinzu sabbern, öffnet sich endlich die Ofentür und jawohl es ist vollbracht. Die Kekse sind fertig! Ein Freudentanz unter dem Tisch bringt mir eine kurze Rüge von Mami ein (sie hasst es wenn ich jedes Mal alles zum wackeln bringe und mal wieder ihr Wasserglas umkippe), aber ich bin nicht mehr zu halten und zoome ins Wohnzimmer um Sophie und Leo zu wecken, Kekse, Kekse, KEKSE!!!

Der gelbe Dussel ist fassungslos vor Glück über meine frohe Botschaft, es kann aber auch sein das er so dumm guckt weil ich ihn in meinem Keksrausch gerade kurz davor über den Haufen gerannt habe. Aber egal, Hauptsache Kekse.
Mensch der Schwarze ist wirklich lästig. Schon wieder fordert er das Recht der Qualitätskontrolle. Kann ich einmal irgendwas in meiner Schnauze haben, in das er seinen dicken Rüssel noch nicht gesteckt hat? Schmoll….
Hoffentlich beeilt der sich mal, andere haben auch Hunger. Aber nein dieser „Gentleman“ der alten Schule riecht erst delikat an dem Keks, dann nimmt er es vorsichtig aus Mamis Hand und vergisst dabei nicht sie huldvoll anzusehen (Schleimer). Dann nimmt er den Keks in die Schnauze und lässt ihn da eine Sekunde genießerisch liegen während er die verschiedenen Geschmacknuancen analysiert. Erst dann beißt er genüsslich in den Keks.

Gebannt starre ich auf seine Schnauze. Wird er sabbern? Und wenn ja wie viel? Luca hat ein ausgetüfteltes Wertungssystem. Je länger die Sabberfäden, desto besser die Speise. Wir wissen das natürlich alle und warten gespannt auf sein Urteil.

Wow! Die 10, er schlägt Sabberblasen, er hat den Keksen die 10 gegeben! Jetzt kann uns nichts mehr halten. Leo kriegt den nächsten Keks und mampft ihn gewohnter und geübter Schlingmethodik herunter um seine Schnauze für Nachschub zu leeren.

Endlich komme ich auch in den Genuss. Mami hat die Nachmittagsbanane transformiert und eine ganz Schüssel Kekse gemacht, hach dafür kriegt sie von mir eine high-five.

Wer sich jetzt noch das Verregnete Sonntagskekserezept notieren möchte, der hole sich einen Zettel und etwas zum Schreiben:
1 geriebener Apfel
1 geriebene Möhre
1 zerdrückte Banane
3 ganze Eier
125g Apfelkraut
100g Schweineschmalz
125g Margarine
125g Leberwurst
1 Teelöffel Salz
350g Roggenmehl
200g Haferflocken
100g Kokusnusflocken
1Pkg Backpulver

Alle nassen Zutaten zusammen mischen dann die trockenen einarbeiten alles gut durchkneten. Etwas im Kühlschrank kühlen so 30 Minuten. Dann kleine Bällchen vom Teig formen und ein wenig flach druecken. Auf ein Blech mit Backpapier legen und im Ofen bei ca. 160 Grad 15 Minuten backen. Auskühlen lassen und dann guten Appetit. Über eine unabhängige Sabberbewertung würden wir uns freuen (bitte mit Bild).

Eure Lilly

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